Aufgrund der spezifischen Wohn- und Bevölkerungsstruktur
verfügt der Stadtteil Neuss-Erfttal über einen hohen
Anteil Jugendlicher mit Integrationsschwierigkeiten. So leben
in diesem Stadtteil unter den 6.500 Einwohnern ungefähr
2.432 junge Mitbürger-/innen im Alter von 0-25 Jahren.
In der Altersgruppe von 10-15 befinden sich ca. 30% ausländische
Jugendliche. Nicht berücksichtigt sind in diesem Prozentsatz
die sogenannten "Passdeutschen", d.h. die Gruppe der
Aussiedlerkinder und der hier geborenen eingebürgerten
Kinder unterschiedlicher Nationalitäten. Eine wachsende
Zahl Jugendlicher droht aufgrund sozialer und individueller
Probleme aus dem Lernprozess in der Schule auszusteigen oder
herauszufallen. Der hieraus resultierende Rückstand in
der schulischen Entwicklung führt in der Folge zu eklatanten
Integrationsproblemen in das Arbeitsleben, wenn er überhaupt
noch aufzuholen ist. Es muss daher frühzeitig ein Ansatz
gesucht werden, um in der konkreten Ausgangssituation präventiv
zu handeln.
Der überwiegende Teil dieser Jugendlichen besucht die
benachbarte Hauptschule Gnadentaler Allee, in der bereits ein
Integrationsprojekt in Form eines Schülercafés,
das durch die örtliche Jugendeinrichtung "Kontakt
Erfttal" betrieben wird, besteht. Schwerpunkt der Arbeit
ist der Ausgleich von Defiziten durch soziales Lernen, d.h.
Förderung von Akzeptanz, Toleranz, Streitkultur und grundlegenden
gesellschaftlichen Umgangsformen. Das Schülercafé
öffnet im Anschluss an den Vormittagsunterricht.
Ausgehend von der Arbeit im außerschulischen Bereich (Schülercafé,
Jugendeinrichtung, Jugendhilfe, Jugendgerichtshilfe u.a.) wird
deutlich, dass die Vielzahl der Probleme bei den Schülern-
bzw. Schülerinnen zu Schulmüdigkeit führt. Entsprechende
Ausdrucksformen sind das Schulschwänzen und die Passivität
im Bezug auf Wissensaneignung. Nicht selten bilden zusätzliche
starke sprachliche Defizite ein weiteres Handicap. Vor dem Hintergrund
der bekannten psychosozialen Probleme verursacht die Diskrepanz
zwischen den gestiegenen Anforderungen an die Schulabgänger-/innen
in einzelnen Berufen und dem erreichten individuellen Bildungsniveau
zusätzlich und frühzeitig Resignation, Orientierungs-
und Perspektivlosigkeit.
Um diesen Schülern-/innen eine berufliche Grundlage zu
geben erscheint der Ansatz einer Schulwerkstatt als frühzeitige
Maßnahme erforderlich. Im Schulalltag der Hauptschule
treffen Schüler-/innen mit ihren individuellen unterschiedlichen
Problemen aufeinander und bilden einen zum Teil stark heterogenen
Klassenverband. Das Problem wird verstärkt durch Rückläufe
aus anderen Schulformen. An diesem Punkt kann der/die einzelne
Lehrer-/in keinen zielgerichteten den Einzelfall berücksichtigenden
Unterricht mehr leisten.